Tierversuche – was ist erlaubt?

Sobald es um das Thema Tierversuche geht, kann es schon öfter mal zu hitzigen Diskussionen unter den Beteiligten kommen. Die zwei Lager sind dabei klar definiert. Da gibt es den etwas traditionellen Typ Mensch, dem es eigentlich egal ist und gar nicht so wirklich interessiert, ob Versuche an Tieren durchgeführt werden. Der andere, eher etwas hinterfragende Typ hingegen, vertritt den Standpunkt der Abschaffung solcher Methoden und fordert Alternativen dazu ein.

 

Das polarisierende Thema nimmt auch Raum in meinem beruflichen Alltag ein. Dabei beschäftige ich mich im Grundsatz mit den regulatorischen und wissenschaftlichen Hintergründen. Als ich mich das erste Mal mit dem Thema auseinandergesetzt habe, fielen mir vorneweg einige Fragen ein, von denen ich mir bis zu diesem Zeitpunkt so gar kein richtiges Bild machen konnte. Nämlich, über welche Versuche an Tieren reden wir denn genau, wenn es in Diskussionen um das Thema Tierversuche geht? Wie ist das denn genau geregelt mit den Gesetzen und in welchen Ländern gibt es Unterschiede? Und, sind die Methoden der Tierversuche für die Entwicklung von Arzneimitteln und Kosmetika die gleichen oder gibt es da doch wesentliche Unterschiede? Um die Wissenslücke zu schließen, habe ich mich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt und fleißig Paragraphen gewälzt sowie Publikationen studiert. Die Schlussfolgerungen möchte ich mit euch auf dem Weg teilen. Dabei werden in diesem Artikel vor allem regulatorische Hintergründe, also was und wo erlaubt ist, vordergründig angesprochen. In einem separaten Artikel werde ich dann Stellung zu den verschiedenen Methoden beziehen und dazu etwas mehr erläutern.

Wenn heute die Frage aufkommt, ob denn an Tieren Kosmetikprodukte getestet werden, um deren Wirksamkeit und Unschädlichkeit nachzuweisen, dann lässt sich das für die Europäische Union seit der Verabschiedung der EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 von 2009 klar mit einem „Nein“ bestätigen. Im Gesetz wurde hier festgelegt, dass keine an Tieren getesteten Produkte auf dem europäischen Markt verkauft werden dürfen. Bis zum 11.März 2013 gab es allerdings, nach Vorlage einer validen Begründung der Kosmetikunternehmen, eine Kulanzphase für bestimmte Nachweise an Tieren. Das hat Untersuchungen zur „Toxizität bei wiederholter Verabreichung, der Reproduktionstoxizität und der Toxikokinetik“ betroffen. Hierzu fehlten zum Zeitpunkt der Verabschiedung 2009 geeignete Alternativmethoden, mit denen ausreichend aussagekräftige Daten abgebildet werden konnten. Seither gelten diese Ausnahmen aber auch nicht mehr, weswegen man heute sicher sein kann, dass jedes in Europa verkaufte kosmetische Produkt nur unter Vorlage von Sicherheits- und Wirksamkeitsnachweisen aus Alternativmethoden zugelassen sind, ohne entsprechend an Tieren getestet worden zu sein. Etwas andere Anforderungen werden an kosmetische Unternehmen gestellt, wenn diese ihre Produkte auf den chinesischen Markt in Verkehr bringen wollen. In diesem Zusammenhang habe ich schon verschiedenste Meinungen gehört, die aber nur zu einem unklaren und verwirrenden Bild geführt haben. Für die Zulassung von kosmetischen Produkten in China müssen Unternehmen, die ihren Sitz außerhalb von China haben, umfassende Voraussetzungen erfüllt werden. Anträge zur Zulassung werden über eine verantwortliche Person aus China an die CFDA (China Food and Drug Administration) gestellt. Hierzu müssen strikte Vorgaben erfüllt werden, worunter auch die belegbaren Nachweise aus Tierversuchen Pflicht sind. Es ist aber nicht so, und das wird oft fehlinterpretiert, dass kosmetische Unternehmen diese Untersuchungen selbst durchführen. Der Staat China gibt vor, an welchen seiner insgesamt 21 akkreditierten Instituten innerhalb von China die Tests durchgeführt werden. Wegen des großen wirtschaftlichen Marktpotentials sind hier viele Unternehmen bereit, das Vorgehen entgegen ethischer Grundsätze in Kauf zu nehmen. Ob man das gut findet oder nicht soll hier nicht Bestandteil der Diskussion sein. Aus der Perspektive eines Unternehmens geben am Ende des Tages maßgeblich Gewinne und internationale Wettbewerbsfähigkeit aus dem business case vor, sich für oder gegen einen Eintritt in einen Markt zu entscheiden.

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