Hautreinigung

Das Reinigen (Cleansing) der Haut scheint in Zeiten der starken Luftverschmutzung mit Feinstaubpartikeln ein immer notwendigeres Mittel zur Vorbeugung von äußerlichen Erkrankungen und Allergien zu werden. Die Vorstellung, dass sich kontinuierlich Partikeln und andere Substanzen aus der Luft auf der Hautoberfläche absetzen und dort auch anhaften bleiben, deutet schon an, wie stark unsere Haut in unserem Alltag in Mitleidenschaft gezogen wird. Besonders Menschen in Großstädten sind davon stark betroffen.

Cleanser haben alle etwas gemeinsam. Sie alle beinhalten als wirksame Komponente Tenside oder Mischungen davon. Das sind all jene Substanzen, die wasserlösliche sowie fettlösliche Eigenschaften besitzen. Das macht sie zu einer besonderen Art, die gerade auch deswegen in vielen Bereichen der modernen Forschung vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten bieten. Die Besonderheit ist nämlich, dass sich der eine Teil der Substanz gut in Wasser lösen lässt, wohingegen aber der restliche Anteil zudem in der Lage ist, sich gleichzeitig mit Fetten oder Ölen zu verbinden. Diese Kombination macht Tenside so zu einem wichtigen und unschlagbaren Instrument für die Reinigung von Grenz- bzw. Oberflächen. Und da die Haut des Menschen als äußerstes Organ ebenso eine Grenzfläche darstellt, können diese Effekte optimal zur Befreiung von Schmutz, abgestorbenen Hautzellen (Hautschuppen) und Bakterien genutzt werden. Man muss jedoch beachten, nur weil ein Tensid ein Tensid ist, bedeutet das nicht gleich, dass all diese Stoffe zur Reinigung der Haut geeignet sind. Das hat folgenden Hintergrund. Bei der Anwendung eines Cleansers werden nämlich nicht nur Schmutzpartikeln und Schuppen von der Hautoberfläche gelöst. Naturgemäß werden auch körpereigene Fette aus der Hornhaut (stratum corneum) gelöst und ausgewaschen. Dieser Nebeneffekt lässt sich nie vollständig vermeiden, jedoch in seiner Ausprägung beeinflussen. In Fällen von starkem Auswaschen kann es zu einem Spannungsgefühl nach dem Waschen (AWT = After Wash Tightness) kommen, wie auch zu Trockenheit, Schäden an der Hautschutzbarriere, Rötungen (Erythem), Hautirritationen und Juckreiz führen. Um diesen unerwünschten Nebeneffekten möglichst entgegenzuwirken, fanden in der Vergangenheit viele Untersuchungen statt. Dabei hat man herausgefunden, dass es bestimmte physiko-chemische Parameter gibt, die ausschlaggebend für die Stärke der körpereigenen Fettabtragung während der Reinigung sind. Neben dem Auschwaschen bestimmen die physiko-chemischen Parameter auch die Stärke der Wechselwirkungen mit Membranproteinen in der Haut. Je stärker diese sind, desto wahrscheinlicher treten Entzündungsreaktionen auf. Man unterscheidet daher heute zwischen starken (harsh) und milden (mild) Tensiden.

Heutzutage lassen sich hauptsächlich milde Tenside in Produkten wiederfinden, die zusätzlich von einigen weiteren Stoffen begleitet werden, um den Verlust der körpereigenen Fette zu kompensieren. Das hilft, präventiv Irritationen an der Haut vorzubeugen. Moderne Cleanser Formulierungen beinhalten neben milder Tenside Feuchtigkeitsmittel (moisturizing agents) wie Okklusive, Fette und Feuchthaltemittel (humectants). Das Prinzip dahinter soll sein, entstandene Lücken im stratum corneum gezielt mit äquivalenten Substanzen zu füllen, so dass Feuchte und Viskoelastizität der Haut nach der Reinigung nahezu unverändert bleiben. Füllelemente sind vor allem natürliche Lipide und Öle sowie Feuchthaltemittel.

Neben des Auswaschens körpereigener Lipide spielt der pH-Wert der Cleanser Formulierungen eine weitere wesentliche Rolle. Die Reinigung mit Kernseife soll beispielhaft hier diskutiert werden. Der basische pH-Wert von etwa 10 einer Kernseife führt bei der Reinigung von Haut zum Anschwellen der Hornhaut, was gleichermaßen die Hautbarriere durch die Veränderung der vorhandenen Lipidorganisation stört. Als Folge treten unmittelbar Trockenheit durch erhöhten Wasseverlust (TEWL= TransEpidermal Water Loss) und Spannungsgefühl nach dem Waschen auf. Bei wiederholter Anwendung kann das weiter bis zu Rötungen, Juckreiz und Entzündungen führen. Um diesen Effekt auf ein Minimum zu reduzieren, wurden Seifen über die letzten Jahrzehnte systematisch weiterentwickelt. Moderne Syndet Seifen, Schäume und Cremes besitzen heute einen pH-Wert, der in etwa dem der Haut von pH 5,5 entspricht, um so den negativen Effekten, die mit einer Kernseife auftreten, vorzubeugen.

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