Zum Sonnenschutz

Jeder von uns kennt ihn und hat ihn mindestens schon ein mal bewusst in seinem Leben wahrgenommen. Dieser Moment, wenn der Tag im Frühling einkehrt, an dem das erste Mal im Jahr die Sonne am Himmel zu erblicken ist. Beobachtet man das Treiben während dieser Zeit, dann hat man das Gefühl, dass der Mensch um einiges aktiver wirkt und, zumindest für die deutsche Kultur verhältnismäßig, gut gelaunt ist. Was hier die Folgen der positiven Auswirkung von Licht auf den Menschen umschreibt, lässt sich auch tatsächlich auf biochemischer Ebene im menschlichen Körper wiederfinden. Das Sonnenlicht regt gezielt eine ganze Reihe an bestimmten Stoffwechselprozessen im Körper bei Aufnahme (Exposition) an. Die gute Laune z.B. ist auf die Bildung von Vitamin D zurückzuführen, das allgemeine Wohlbefinden u.a. auf das Tanning der Haut. Doch kann auch Licht negative Effekte am Menschen auslösen, was es gleichermaßen zum Fluch wie auch zum Segen für ihn macht. Letzten Endes ist das Maß der täglichen Lichtexposition kriegsentscheidend, ob sich Schäden an der Haut ausbilden. Ist das Maß leicht überschritten, kehren sich die u.a. vorher genannten positiven Effekte in unangenehme Nebenwirkungen um. Hier wird zwischen Kurz- und Langzeitschäden unterschieden.

Akute Schäden

  • Sonnenbrand (Erythem),
  • Sonnenallergie und
  • Leichte DNA-Schäden.

Chronische Schäden

  • Photo-aging (Hautalterung, Elastizitätsverlust, tiefe Falten, Trockenheit, Abnahme des Unterhaut-Fettgewebes, unregelmäßige Pigmentierung),
  • Altersflecken (auch Friedhofsblümchen im Fachjargon genannt) und
  • Hautkrebs, die Folge von starken DNA-Schäden.

Kurzzeitschäden sind reversible Folgen einer überschrittenen Toleranz gegenüber der Lichtexposition, die allerdings nach Regeneration wieder vollständig abklingen. Der Übergang von einem leichten Sonnenbrand zu einem folgenschweren Krankheitsbild wie Hautkrebs ist unglücklicherweise fließend und allgemein nicht zu vereinheitlichen. Ob sich aus einem Sonnenbrand ein Hautkrebs ausbilden kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Das sind, um die wichtigsten hier zu nennen, der individuelle Hauttyp jedes Einzelnen, der Zustand des Immunsystems und die Intensität der Sonnenstrahlung (abhängig von Uhrzeit, Jahreszeit und Ort). Grundsätzlich wird von Dermatologen empfohlen „Zwischen 11 und 15 Uhr, vergnüge dich im Schatten nur!“ (Prof. Dr. med. Meffert, Berlin).

Um ein wenig besser nachvollziehen zu können, was denn Licht überhaupt auf der Haut verursacht, ist es notwendig, etwas mehr von seinen Eigenschaften zu wissen. Licht ist nicht einfach nur etwas, das hell macht. Es hat eine definierte Zusammensetzung. Die, für diesen Beitrag relevanteste, kleinste Einheit von Licht ist das Lichtquant. Ein Lichtquant bewegt sich wellenförmig von seiner Ursprungsquelle weg. Nehme man alles Technologische hier auf der Erde weg, dann wäre der einflussreichste Ursprung eines Lichtquants die Sonne. Ein Lichtquant kann, interessanter Weise, je nach Typ unterschiedlich viel Energie in sich tragen. Der Laie muss gar nicht tiefgründig verstehen, was es im Detail damit auf sich hat. Man sollte sich nur merken können, dass Licht(quanten) mit einer kurzen Wellenlänge wie 295nm stark energetisch sind. Genau diese Energie ist es, die die UV-B (295nm) Strahlung für seine DNA-schädigende Wirkung bekannt gemacht hat. Das Licht dieser Wellenlänge ist durch sein hohes energetisches Level fotochemisch reaktiv und kann damit Bausteine im Körper verändern. Eine Quervernetzung der DNA ist mit der Bestrahlung von 295nm möglich, aber auch Kollagen- und Elastinfasern in der Dermis können durch Radikalreaktionen zerstört oder irreversibel vernetzt werden. Infrarotes (IR-)Licht mit einer Wellenlänge von 800nm hingegen besitzt ein weniger stark energetisches Level und ist eher aus dem Zusammenhang mit der Übertragung von Wärme bekannt. Neuere Studien haben über die letzten Jahre nachgewiesen, dass aber auch diese niedrig energetische Formen des Lichtes Radikale bei der Exposition in der Haut bilden und es so zu Schädigungen innerhalb der Zelle kommen kann. Die Industrie hat darauf reagiert, weswegen man heute verstärkt Sonnenschutzmitteln mit UV- plus IR-Schutz in den Regalen findet. Ohnehin muss klar sein, dass jede Form von Licht bei zu starker Exposition zu Schäden der Haut führen kann. Wer glaubt, dass bei Anwendung eines Sonnenschutzmittels ein voller Rundumschutz vorliegt, liegt absolut falsch. Dieser stellt nur ein unterstützendes Hilfsmittel dar.

Jeder Mensch hat seine eigene Toleranzgrenze gegenüber der Aufnahme  von Licht. Der Pigmentierungstyp (nach Fitzpatrick) spielt dabei eine wichtige Rolle. Dieser gibt auf Basis der Dichte und Form von Pigmenten in der Haut eine grobe Abschätzung vor, wie lange sich eine Person ungeschützt in der Sonne aufhalten kann, ohne Schäden davon zu tragen.

Hauttypen nach Fitzpatrick

Typ I

Bezeichnung: Keltisch

Charakteristika

  • sofort intensive Hautrötung,
  • sofort schwerer Sonnenbrand,
  • Haut schält sich und
  • Keine Bräunung

Eigenschutz: 5-10 Minuten

Typ II

Bezeichnung: blond-nordisch

Charakteristika

  • Rasch Sonnenbrand,
  • Bräunung möglich, aber nur schwer und
  • Haut schält sich

Eigenschutz: 10-20 Minuten

Typ III

Bezeichnung: brünett-nordisch

Charakteristika

  • Selten Sonnenbrand und
  • Bräunt gut

Eigenschutz: 20-30 Minuten

Typ IV

Bezeichnung: mediterran

Charakteristika

  • Kaum Sonnenbrand und
  • Bräunt rasch

Eigenschutz: über 45 Minuten

Typ V

Bezeichnung: dunkle Hauttypen

Charakteristika

  • dunkle bis hellbraune Haut,
  • schnelle Bräunung und
  • kaum Sonnenbrand

Eigenschutz: über 90 Minuten

Typ VI

Bezeichnung: schwarze Hauttypen

Charakteristika

  • dunkelbraune bis schwarze Haut

Eigenschutz: über 90 Minuten

Neben des eigenen Hauttyps sind Ernährung und Gesundheitszustand ausschlaggebende Parameter, die auf den Eigenschutz haben. So haben Personen, die am Vorabend viel Alkohol getrunken haben, einen stark verringerten Eigenschutz, wenn sie sich am darauffolgenden Tag in die Sonne zum Tanning legen. Der Genuss von Alkohol senkt den Gehalt an Antioxidantien in der Haut, die übermäßig gebildete Radikale abfangen sollen. Sind diese nicht mehr vorhanden, gibt es auch nur einen eingeschränkten Schutz davor. Erst nach etwa 3 Tagen stellt sich der Normalwert von Antioxidantien in der Haut wieder ein, so dass die individuell maximale Eigenschutzzeit wieder gegeben ist.

Was kann jeder Einzelne darüber hinaus tun, um Schäden durch Licht vorzubeugen?

Sonnenschutz kann viele Ansätze umfassen, um Schädigungen an der Haut zu entgehen. Die wohl älteste Methode ist der Schutz mit Textilien. Kleidung, Hüte und Sonnenschirme sind effektive Mittel, um die Exposition des gesamten Sonnenlichts zu senken. Hier einige Beispiele:

  • Jeansstoff (Baumwolle) hat einen Lichtschutz von 100%.
  • Perlonstrümpfe besitzen einen SPF (Sun Protection Factor = Sonnenschutzfaktor) von 2,2,
  • Seide hat einen SPF 4,1 und
  • T-Shirts aus Baumwolle haben einen SPF 7,0.

Die heute wohl bekannteste und allgegenwärtigste Form von Sonnenschutz ist die Anwendung von Sonnencremes. Diese können unterschiedliche technologische Ansatzstrategien beinhalten, die Teile des auftreffenden Lichts gezielt herausfiltern. Nämlich,…

  • durch die Aufnahme (Absorption) und Umwandlung des energiereichen Lichts in u.a. Wärme,
  • durch Reflexion und Streuung des auftreffenden Lichts.

Sonnencremes, die energiereiches Licht umwandeln, beinhalten eine definierte Reihe an Inhaltstoffen (meist organische Substanzen), die gezielt die fotochemisch reaktiven UV-A (315-400nm) und UV-B (280-315nm) Lichtquanten aus dem Sonnenlicht herausfiltern, so dass diese nicht in die Haut gelangen können. UV-Strahlen stehen gerade deshalb so stark im Fokus, da diese energetischen Lichtformen Hautrötungen, also Sonnenbrand, auslösen. Hier redet man von der erythemalen Wirksamkeit von Strahlung. Aufgrund der großen Gefahr, Langzeitschäden an der Haut zu verursachen, wurde von regulatorischer Seite, seitens der COLIPA, UV-Schutz in Sonnenschutzmittel als Mindestanforderung  im Jahr 2006 ausgegeben. Streuende und reflektierende Filtermaterialien sind das nano-Titandioxid und das nano-Zinkoxid, die hier als effektiver Schutz eingesetzt werden. Entgegen der medial veröffentlichten Meinung, dass diese Stoffe durch die Haut penetrieren und in die Blutbahn gelangen können, konnte in umfassenden Untersuchungen von wissenschaftlicher Seite nachgewiesen werden, dass eine Penetration von anorganischen Materialien in intakte Haut als unwahrscheinlich anzusehen ist.

Ein heute noch nicht so stark etablierter Ansatz für Sonnenschutz, ist der systemische Lichtschutz. Wie im Text schon kurz angedeutet, bewirkt Licht, unabhängig von seiner Energie, eine Bildung von Radikalen in der Haut. Um Schäden einer übermäßigen Radikalbildung bei erhöhter Lichtexposition zu vermeiden, werden Anitoxidantien in der Haut gelagert. Diese wirken in solchen Fällen als Puffer und halten die Radikalkonzentration auf einem definierten Level. Die Menge an Antioxidantien in der Haut wird wiederum von der Ernährung gesteuert. Also, je mehr Antioxidantien aufgenommen werden, desto höher ist der Gehalt in der Haut. Dieser wirkt somit als zusätzlicher Puffer gegenüber lichtinduzierter Radikalbildung. Bekannte Vertreter sind Carotinoide wie beta-Carotin (Karotte), Lycopin (Tomate), Lutein sowie Coenzyme Q10, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, Vitamin D und noch mehr. Wer effektiv einen systemischen Lichtschutz aufbauen will, muss bedenken, dass die Kombination aus vielen antioxidativ-reichen Quellen zum Ziel führt, da die Antioxidantien in der Haut synergistisch miteinander in Wechselwirkung treten, wohingegen bei einseitiger Ernährung ein optimaler Effekt ausbleibt. Das Glas Rotwein am Abend ist auch eine Möglichkeit, seinen antioxidativen Gehalt in der Haut zu erhöhen. Aber Vorsicht, bei zu viel Verzehr am Abend kehrt sich der Effekt durch den Alkohol um und der Gehalt an Antioxidantien sinkt wieder.

Umfrage: Was ist dein Grund, auf die Anwendung von Sonnencremes zu verzichten?

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