„Frei von…“ Auslobungen ab dem 01.Juli 2019 nicht mehr erlaubt

Spoiler-Alarm bei der europäischen Gesetzeslage für kosmetische Mittel. Ab dem 01.Juli 2019 treten neue Verbote für Marketingaussagen in Kraft. In Folge dieses Artikels werden hier alle wichtigen Neuerungen aufgelistet und erklärt.

Das Inverkehrbringen von kosmetischen Mitteln ist mit der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 klar reguliert. Ergänzt wird diese um die Verordnung (EG) 655/2013, in der gemeinsame Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln festgelegt sind. Hierzu gibt es ein paar Neuerungen, die in einem technischen Dokument aufgelistet sind. Betroffen sind folgende Marketingaussagen (Claims), die ab dem 01.Juli 2019 nicht mehr verwendet werden dürfen:

ANNEX I

Claims für kosmetische Produkte sollen mit folgenden gemeinsamen Kriterien konform sein:

Einhaltung gesetzlicher Vorschriften

  • Der Claim „Dieses Produkt erfüllt die Vorschriften der Kosmetikverordnung“ ist nicht erlaubt. Alle in Verkehr gebrachten Produkte auf dem europäischen Markt müssen diese Vorschriften erfüllen
  • Der Claim „Hautpflegeprodukte enthalten kein Hydrochinon“ ist nicht erlaubt. Hydrochinon ist in der Kosmetikverordnung als verbotener Stoff gelistet.

Wahrheit

  • Der Claim „Frei von Silikonen“ darf nicht verwendet werden, wenn das Produkt Silikone enthält
  • Der Claim „48 Stunden Feuchtigkeitsspende“ ist nicht erlaubt, wenn die Gesamtheit des Beweises nur kürzere Zeitperioden aufzeigt.
  • Produkte, bei denen explizit oder implizit ausgelobt wird, dass diese Honig enthalten, muss Honig enthalten sein und nicht nur Honigaroma.
  • Der Claim „Enthält feuchtigkeitsspendendes Aloe Vera“ oder eine bildliche Darstellung von Aloe Vera darf nicht verwendet werden, wenn das Produkt selbst keinen feuchtigkeitsspendenden Effekt hat.

Beweiskräftige Unterstützung

  • Computer können heute Hautfarben für ein ebenes Hautbild analysieren und quantifizieren; es kann auch durch trainierte Experten stattfinden, die nach einer Skala bewerten.
  • Ergebnisse aus in vitro oder in silico Untersuchungen dürfen gleichermaßen nicht für in vivo Ergebnisse angenommen werden.
  • Ein Claim „dieses Parfüm verleiht dir Flügel“ ist übertrieben, da niemand es wörtlich nimmt und erwartet, dass einem Flügel wachsen.

Ehrlichkeit

  • Der Claim “eine Million Konsumenten bevorzugen dieses Produkt“ ist nicht erlaubt, wenn das Produkt noch nicht eine Millionen Mal verkauft wurde.
  • Claims über Wirksamkeit dürfen nicht anhand retuschierter „Vorher/Nachher“ Bildern basieren, wenn die Darstellung irreführend zur Performance des Produktes ist.
  • Claims über verbesserte Eigenschaften einer neuen Formulierung sollen die tatsächliche Verbesserung reflektieren und nicht überbewertet werden.
  • Feine Duftstoffe enthalten gewöhnlich einen hohen Anteil an Alkohol, so dass der Zusatz von Konservierungsstoffen nicht mehr notwendig ist. In diesem Fall wäre es unehrlich damit zu werben, dass der Duftstoff keinen Konservierungsstoff enthält.

Fairness

  • Ein Claim „Im Gegensatz zu Produkt X, enthält das Produkt nicht den Inhaltstoff Y, welcher bekannt für seine irritierende Wirkung ist“ darf nicht benutzt werden.
  • Gut verträglich, weil es keine Mineralöle enthält“ ist eine unfaire Aussage gegenüber anderen Produkten, die auch gut verträglich sind.
  • Gering in allergenen Substanzen weil ohne Konservierungsstoffe“ ist unfair, weil es vermuten lässt, dass alle Konservierungsstoffe allergen sind.

Fundierte Entscheidungen

  • Wenn das Produkt Experten ansprechen soll, wäre es angemessen, eine technische Sprache zu benutzen

ANNEX III

Frei von Claims

In Fall von den „Frei von Claims“ ist ein konkreterer Leitfaden notwendig, um den Konsumenten und den Experten einen ausreichenden Schutz gegenüber irreführenden Aussagen anzubieten.

Einhaltung gesetzlicher Vorschriften

  • Der Claim „Frei von Corticosteroiden“ ist nicht erlaubt, weil die Nutzung von Corticosteroiden im Zuge der der Kosmetikverordnung in Europa verboten ist.

Wahrheit

  • Der Claim „Frei von Formaldehyd“ ist nicht erlaubt, wenn das Produkt Formaldehyd-freisetzende Inhaltsstoffe enthält (Bsp. Diazolidinyl Urea)

Ehrlichkeit

  • Der Claim „Frei von Konservierungsstoffen“ darf nicht benutzt werden, wenn ein Produkt Inhaltsstoffe enthält, die einen schützenden Effekt gegenüber Mikroorganismen haben, welche nicht in ANNEX V der Kosmetikverordnung 1223/2009 stehen, Bsp. Alkohol.
  • Der Claim „Frei von Parfüm“ darf nicht benutzt werden, wenn ein Produkt einen Inhaltsstoff enthält, welcher in dem Produkt einen Duft erzeugt, unabhängig von seiner anderen möglichen Funktion im Produkt.

Fairness

  • Bestimmte Parabene sind sicher, wenn sie im Zuge der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 eingesetzt werden. Betrachtet man den Fakt, dass alle kosmetischen Produkten sicher sein müssen, dann wird der Claim „Frei von Parabenen“ nicht akzeptiert, weil es eine Verunglimpfung der gesamten Gruppe der Parabene ist.
  • Phenoxyethanol und Triclosan sind sicher, wenn sie bezugnehmend auf die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 eingesetzt werden. Daher wird der Claim „Frei von…“ ddesen Substanzen nicht akzeptiert, weil es eine Verunglimpfung der authorisierten Substanzen sind.

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Literatur:

  • Commission Regulation (EU) No 655/2013 Technical Document (version of 3 July 2017)

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